Kreislaufwirtschaft mit digitalem Turbo: Wegweisendes deutsch-niederländisches Projekt startet

Interreg VI-Projekt entwickelt Lösungen für den Einsatz von Recycling-Materialien und biobasierten Werkstoffen in der Industrie

Wie können Unternehmen Recycling-Materialien und biobasierte Werkstoffe zuverlässiger und wirtschaftlicher einsetzen?
Dieser Frage widmet sich das deutsch-niederländische Projekt II-CIRCLE (Industrial implementation of circular materials through digital innovation), das jetzt im Lenkungsausschuss des Interreg VI-Programms genehmigt wurde und heute, 1. Oktober 2026, startet.
Ziel ist es, digitale Werkzeuge so zu verbinden, dass Unternehmen insbesondere in der Kunststoffverarbeitung Materialien schneller entwickeln, testen und für die industrielle Produktion nutzbar machen können.

Effizienz statt Trial-and-Error

Der Einsatz von Recycling-Materialen und biobasierten Werkstoffen ist noch oft mit Unsicherheiten verbunden: Materialeigenschaften können von Produktion zu Produktion variieren - Produktionsprozesse müssen angepasst und zahlreiche Tests durchgeführt werden. Das kostet Zeit, Material und Geld.

II-CIRCLE will diesen Entwicklungsprozess digital unterstützen und verbessern. Dazu werden verlässliche Material- und Prüfdaten, ein Digital Twin, KI-gestützte Entscheidungshilfen und Informationen für den Digitalen Produktpass (DPP) in einem gemeinsamen digitalen Ansatz zusammengeführt.

Der DPP spielt dabei eine besondere Rolle: Er soll relevante Informationen über ein Produkt und seine verwendeten Materialien strukturiert dokumentieren – beispielsweise zu Herkunft, Eigenschaften und Kreislauffähigkeit. Im Projekt werden dafür die notwendigen Datenfelder und Strukturen berücksichtigt. So können Informationen bereits während der Produktentwicklung erfasst und später für Nachweise und Anforderungen an nachhaltige und kreislauffähige Produkte genutzt werden.
Der Digitale Produktpass wird nach Ankündigung der Europäischen Kommission ohnehin Pflicht für viele Industriebereiche. Das Projekt II-CIRCLE trägt dieser Anforderung bereits jetzt Rechnung.

„Der innovative Ansatz des Projekts wird in einem interessanten Konsortium umgesetzt. Mehrere der Partner konnten erstmals für ein Interreg-Projekt gewonnen werden. Bereits in der Planungsphase zeigte sich, welche nachhaltige Wirkung das Projekt haben kann – vor allem auch durch den DPP. Dieser nachhaltige Ansatz sorgte auch für sehr positive Rückmeldungen der Interreg-Programmpartner in der Genehmigungsphase“, sagt der zuständige Projektkoordinator Mario Rauch vom Regionalen Interreg-Programmmanagement Ems Dollart Region.   

Schnellere Entwicklung, weniger Materialverlust

In zwei Pilotanwendungen wird der Ansatz praktisch erprobt. Unter anderem soll untersucht werden, wie sich Entwicklungs- und Testaufwand bei der Nutzung von Recyclingmaterialien reduzieren lässt.

Die neue Methode soll insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) praxistauglich sein. Ziel ist unter anderem, die Entwicklungszeit um mehr als 20 Prozent zu verkürzen, die Zahl physischer Testzyklen um mehr als 20 Prozent zu reduzieren und mehr als 25 Prozent Materialverlust beziehungsweise Überdimensionierung einzusparen.
Gleichzeitig soll die Kreislauffähigkeit bereits in der Entwicklungs- und Designphase stärker berücksichtigt werden.

Erprobt wird der Ansatz in zwei unterschiedlichen industriellen Anwendungsfällen. Einer davon ist der Rasierer „Philips OneBlade“ - ein weiteres Beispielprodukt wird im Spritzgussverfahren entwickelt und unter anderem hinsichtlich seiner Recyclingfähigkeit untersucht.

Wissen für Unternehmen in der Region

Die entwickelten Methoden und Erfahrungen sollen nicht nur bei den beteiligten Unternehmen bleiben. Über Schulungen, einen „Adoption Toolkit“ und das geplante Virtual Lab 4 Circularity sollen insbesondere kleine und mittlere Unternehmen Zugang zu den Ergebnissen erhalten.

Das Projekt läuft vom 1. Oktober 2026 bis zum 30. Juni 2029.

Die Partner des Projekts sind das 3N Kompetenzzentrum aus Werlte (Lead Partner), die Hochschule Osnabrück, die Rijksuniversiteit Groningen, die Stichting NHL Stenden Hogeschool aus Emmen, Philips Consumer Lifestyle B.V. aus Drachten sowie die Firmen i-spark (Zevenhuizen), Enneatech (Großefehn), Grannex (Osnabrück), TKT Kunststoff-Technik (Bad Laer) und Rubberfabriek Wittenburg (Zeewolde).
Die Landkreise Aurich und Grafschaft Bentheim, das Niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz sowie zahlreiche weitere Organisationen sind darüber hinaus als assoziierte Partner des Projekts eingebunden.

Das Projekt „II-CIRCLE“ wird im Rahmen des Interreg VI-Programms Deutschland-Nederland durchgeführt und mit rund 2,87 Millionen Euro durch die Europäische Union, die Niedersächsische Staatskanzlei sowie das Ministerie van Economische Zaken en Klimaat mitfinanziert.