150 Gäst*innen kamen zur Veranstaltung der Ems Dollart Region nach Bunde
Beim Frühlingsempfang der Ems Dollart Region (EDR) im Tammenshof in Bunde stand die Zukunft der deutsch-niederländischen Grenzregion im Fokus. Unter dem Motto „Europa. Region. Zukunft.“ kamen jetzt rund 150 Vertreter*innen aus Politik, Verwaltung, Projekten und Wirtschaft beiderseits der Grenze zusammen, um über aktuelle Herausforderungen und Chancen der grenzübergreifenden Zusammenarbeit zu diskutieren. Dabei kam es auch zu deutlichen Worten – vor allem hinsichtlich der Grenzkontrollen.
Bereits zu Beginn machte Moderatorin Anouk Ellen Susan die besondere Atmosphäre der Veranstaltung deutlich. Sie sprach von „einem wunderschönen großen Saal voller engagierter Persönlichkeiten für die niederländisch-deutschen Beziehungen und Freundschaft“ und betonte damit den offenen und partnerschaftlichen Charakter des Empfangs. Gleichzeitig unterstrich sie die aktuelle Entwicklung der EDR: „Dieser Empfang steht auch symbolisch für den Aufbruch der Ems Dollart Region. Die EDR ist in Bewegung und denkt Zusammenarbeit neu, möchte Menschen, Ideen und Regionen noch mehr und noch intensiver zusammenbringen.“ Der Geist der Erneuerung, der Zusammenarbeit und eines positiven Blicks in die Zukunft sei dabei deutlich spürbar. Mit Blick auf die Bedeutung der Grenzregion erklärte sie zudem: „Europa beginnt nicht in Brüssel, sondern genau hier vor Ort.“
Nach der Begrüßung eröffnete Matthias Groote, Landrat des Landkreises Leer und Vorsitzender der EDR, die Veranstaltung. In seiner Ansprache betonte er die Bedeutung eines starken und geeinten Europas für die Menschen in der Grenzregion. Gerade in Zeiten politischer und gesellschaftlicher Herausforderungen sei die enge Zusammenarbeit zwischen Niedersachsen und den Niederlanden wichtiger denn je. Dabei hob Groote auch die Rolle der EDR hervor: „Wir verstehen uns heute mehr denn je als aktiver Netzwerkpartner, Brückenbauer zwischen Kommunen, Ländern und Institutionen sowie als Interessenvertreter unserer Grenzregion im europäischen Kontext.“
Im Anschluss sprach Melanie Walter, niedersächsische Ministerin für Europa und Regionale Landesentwicklung, über die Rolle Europas für die Entwicklung der Grenzregion. Dabei machte sie deutlich, dass offene Grenzen, kurze Wege und enge Kooperationen zentrale Voraussetzungen für wirtschaftliche Entwicklung, gesellschaftlichen Austausch und regionale Stabilität sind. Die Ministerin bezeichnete den Frühlingsempfang als „eindrucksvolle Veranstaltung“.
Besondere Aufmerksamkeit erhielt die erste Podiumsdiskussion zum Thema „Wie stärkt eine engere Zusammenarbeit zwischen den Niederlanden und Niedersachsen die Grenzregion?“. Gemeinsam mit Arne van Hout vom niederländischen Innenministerium und Agnes Mulder, Kommissarin des Königs der Provinz Drenthe, diskutierte Ministerin Walter über konkrete Maßnahmen zur weiteren Stärkung der Zusammenarbeit.
Agnes Mulder hob dabei die Bedeutung gemeinschaftlichen Handelns hervor: „Gemeinsam sind wir stärker. Daran glaube ich ganz fest. Und dabei geht es nicht nur um Verwaltungen oder Schulen oder Unternehmen. Es betrifft alle Bereiche, in denen wir es gemeinsam angehen müssen.“
Ein zentrales Thema war zudem die aktuelle Diskussion über Grenzkontrollen zwischen Deutschland und den Niederlanden. Melanie Walter sprach sich auf Nachfrage aus dem Publikum deutlich gegen dauerhafte Kontrollen aus und bezeichnete diese wortwörtlich als „einen dramatischen Einschnitt“. Weiter erklärte sie: „Insbesondere aus unserer niedersächsischen Sicht sind die Grenzkontrollen zu den Niederlanden überhaupt nicht verständlich. Ich kann versprechen, dass wir am Ball bleiben, das schnellstmöglich zu beenden.“ Auch EDR-Geschäftsführer Vincent ten Voorde verwies auf die negativen Auswirkungen für Pendler*innen, Unternehmen sowie den täglichen Austausch in der Grenzregion. Die Kontrollen stünden im Widerspruch zum europäischen Gedanken offener Grenzen und belasteten insbesondere Regionen wie die Ems Dollart Region, in denen grenzübergreifendes Leben und Arbeiten seit Jahrzehnten selbstverständlich seien.
Auch die weiteren Diskussionen des Nachmittags machten deutlich, wie eng die Region miteinander verflochten ist. In der zweiten Gesprächsrunde diskutierten Marc-André Burgdorf, Landrat des Landkreises Emsland, Pieter Jeroense von der niederländischen Vereinigung der Gemeinden sowie Vincent ten Voorde über langfristige Strategien zur nachhaltigen Stärkung der Zusammenarbeit. Themen wie Infrastruktur, Mobilität, Fachkräftesicherung und gemeinsame europäische Förderprojekte standen dabei im Mittelpunkt.
Pieter Jeroense betonte in diesem Zusammenhang die besondere Wirkung des Frühlingsempfangs: „Falls es Menschen gibt, die der europäischen Zusammenarbeit kritisch gegenüberstehen, müssen sie unbedingt zu Veranstaltungen wie dem EDR-Frühlingsempfang kommen. Hier spürt man Europa und was wir gemeinsam bewirken können.“
Für kurzweilige musikalische Unterhaltung sorgten „The Flageolettes“. Die einzelnen Bereiche der Ems Dollart Region (Interreg-Programmmanagement, Kleinprojektefonds, das Nachbarsprachen-Projekt und der Grenzinfopunkt) präsentierten sich auf einem Projektemarkt.
Der anschließende Netzwerkempfang bot den Gästen Gelegenheit zum intensiven Austausch und zur Vertiefung bestehender Kontakte. Dabei wurde einmal mehr deutlich, dass die Ems Dollart Region weit mehr ist als ein geografischer Raum: „Wir sind ein Beispiel dafür, wie europäische Zusammenarbeit im Alltag gelebt wird“, so Vincent ten Voorde.

Alle Fotos des EDR-Frühlingsempfangs gibt es hier:
https://www.picdrop.com/akka/mktYn67UoZ
Fotos: Akka Fotografie