Tanken im Nachbarland

Warum Benzin in Deutschland und den Niederlanden unterschiedlich teuer ist

„Ich habe heute 2,04 Euro pro Liter E10 (Benzin) in Bunde getankt“, berichtet EDR-Geschäftsführer Vincent ten Voorde. „Auf derselben Strecke habe ich auf niederländischer Seite Preise von 2,25 Euro für Euro 95 gesehen.“

Ein Unterschied von 21 Cent pro Liter klingt zunächst nach nicht viel. Wer aber regelmäßig tankt oder einen großen Tank hat, merkt schnell: Das kann auf Dauer richtig ins Geld gehen.

Warum sind die Preise so unterschiedlich?

Viele denken zuerst an den Ölpreis. Steigt der Preis für Rohöl auf dem Weltmarkt, wird auch das Tanken teurer. Das stimmt zwar, doch der Ölpreis ist nur ein Teil der Rechnung – aber das würde nicht die Unterschiede zwischen den Niederlanden und Deutschland erklären.

Eine größere Rolle spielen Steuern und Abgaben sowie Kosten und Gewinne der Mineralölkonzerne. Auf jeden Liter Benzin oder Diesel kommen Energiesteuer, Mehrwertsteuer und CO₂-Kosten, diese machen mehr als 50 Prozent des Preises aus. Vor allem die Niederlande verlangen hier höhere Abgaben als Deutschland. Deshalb ist Benzin dort häufig teurer.

Vielen Menschen stellen fest: Nicht nur Tanken, sondern auch Lebensmittel, Mieten oder Restaurantbesuche sind in den Niederlanden oft teurer als in Deutschland, was vor allem an den wirtschaftliche Rahmenbedingungen liegt.

Die Niederlande haben im Schnitt höhere Löhne und ein höheres Preisniveau, was bedeutet, dass viele Produkte und Dienstleistungen mehr kosten. Auch Personal, Wohnräume und Betriebskosten sind höher. Dazu kommen höhere Verbrauchssteuern auf viele Alltagsprodukte, darunter auch Kraftstoffe. Der Staat finanziert darüber unter anderem, Infrastruktur, soziale Leistungen und Klimamaßnahmen.

Deutschland hat zwar auch hohe Abgaben, ist aber als größerer Markt jedoch oft stärker vom Wettbewerb geprägt, was dazu führen kann, dass Preise etwas niedriger ausfallen.

Für viele Niederländer*innen lohnt es sich deshalb, zum Tanken nach Deutschland zu fahren – insbesondere in Grenzorten wie Bunde, Gronau oder Kleve.

Welche Rolle spielt der aktuelle Krieg?

Auch internationale Krisen wirken sich direkt auf die Zapfsäule aus. Besonders der Konflikt im Nahen Osten sorgt derzeit für Unsicherheit auf dem Ölmarkt.

Der Iran ist ein wichtiger Akteur im weltweiten Ölhandel. Wenn es dort Spannungen gibt oder wichtige Transportwege wie die Straße von Hormus bedroht sind, steigen oft schon aus Sorge die Preise an den Börsen.

Das bedeutet: Selbst wenn in Deutschland oder den Niederlanden alles gleich bleibt, kann ein Krieg tausende Kilometer entfernt dafür sorgen, dass Autofahrer*innen hier mehr fürs Tanken bezahlen müssen.

Neue Regel in Deutschland: Preise nur noch einmal am Tag erhöhen

Weil sich viele Verbraucher*innen über ständig wechselnde Preise ärgern, hat Deutschland eine neue Regel eingeführt: Tankstellen dürfen ihre Preise nur noch einmal pro Tag erhöhen und zwar um 12 Uhr mittags.

Preise senken dürfen sie weiterhin jederzeit.

Die Idee dahinter: mehr Transparenz und bessere Vergleichsmöglichkeiten. Früher änderten manche Tankstellen ihre Preise mehrmals am Tag. Wer morgens tankte, zahlte oft deutlich mehr als jemand am Abend.

Mit der neuen Regel soll es einfacher werden, günstige Zeiten zu erkennen.

Konkurrenz direkt an der Grenze

In Grenzregionen spielt auch der Wettbewerb eine große Rolle. Wenn viele Menschen zum Tanken ins Nachbarland fahren, müssen Tankstellen reagieren.

Deshalb sind Preisunterschiede oft schon nach wenigen Kilometern sichtbar. Wer regelmäßig pendelt oder ohnehin über die Grenze fährt, kann gezielt günstiger tanken.

Fazit

Die Kraftstoffpreise in Deutschland und den Niederlanden hängen von vielen Faktoren ab: Steuern, Weltmarktpreise, politische Krisen und staatliche Regeln spielen zusammen.

Der aktuelle Krieg im Nahen Osten zeigt, wie stark internationale Ereignisse unseren Alltag beeinflussen können – selbst an der Tankstelle.

Wer clever tankt, auf Uhrzeit und Grenznähe achtet und Preise vergleicht, kann trotzdem sparen.

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