Mit der EDR den Sternen ganz nahe

51. Verbandsversammlung der Ems Dollart Region (EDR) fand bei ASTRON in Dwingeloo statt / Thema „Untergrabungskriminalität“ sorgte für großes Interesse

Ein vielfältiges Programm bekamen die Mitglieder der Ems Dollart Region (EDR) am Donnerstag bei der EDR-Verbandsversammlung* in Dwingeloo (Provinz Drenthe) geboten.

Die Versammlung fand bei ASTRON statt, dem niederländischen Institut für Radioastronomie. Die Teilnehmenden wurde ein Einblick in die Arbeit des Instituts gewährt. Darüber hinaus stand das Thema „Ondermijning“ („Untergrabungskriminalität) im Fokus.

Zuvor beschäftigte den EDR-Vorsitzenden Matthias Groote aber ein anderes aktuelles Thema – die Wahlen in den Niederlanden, bei denen die rechtsgerichtete PVV die stärkste Partei wurde. „Wir können deshalb nicht einfach so zur Tagesordnung übergehen. Es hat sich etwas verschoben“, so Groote. Zumal der Rechtsruck nicht nur die Niederlande erfasse, sondern auch andere europäische Staaten. Dies gehe bei vielen Bürger*innen einher mit einer europaskeptischen Haltung: „Wir müssen deshalb jetzt die Antwort geben, dass Europa nicht das Problem ist. Viele Herausforderungen können wir in Europa nur gemeinsam lösen. Darum ist es wichtig, für Europa zu werben und die Vorzüge aufzuzeigen – auch hier bei uns in der Region.“

In diesem Zusammenhang wies Groote darauf hin, dass die Ems Dollart Region einen Frühjahrsempfang plant, der voraussichtlich am 6. Mai stattfindet. „Wir wollen grenzübergreifend weiter ins Gespräch kommen und uns weiter vernetzen. Das ist in der aktuellen Situation besonders wichtig“, so der EDR-Vorsitzende. „Denn grenzübergreifende Freundschaften brauchen wir mehr denn je. Und die können schon früh beginnen. Ich habe das selbst als Jugendlicher beim Schulaustausch mit Uithuizen erlebt, der mich nachhaltig geprägt hat. Wir haben bei der EDR mit dem Kleinprojektefonds Möglichkeiten, solche Austausche zu unterstützen.“

Groote sprach auch erneut ein Thema an, das in schon bei den vergangenen Verbandsversammlungen unter den Nägeln brannte: Die Infrastruktur-Maßnahmen in der Grenzregion. Der Vorsitzende haderte weiterhin mit dem „Dauerthema E233“. Er äußerte eine klare Erwartungshaltung: „In den Niederlanden wurden die Hausaufgaben mit dem Ausbau längst gemacht. Es wird Zeit, dass wir das Vorhaben auch auf deutscher Seite auf den Weg bringen. Wir wollen Resultate sehen. Dass solche Vorhaben zu lange dauern, sorgt auch für Unmut bei den Wählerinnen und Wählern.“

Ilona Heijen, Geschäftsführerin Interreg/EDR, gab im Anschluss einen Einblick in den Sachstand beim Interreg VI-Förderprogramm Deutschland-Nederland:

Insgesamt wurden bisher zwölf Projekte mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von 29 Millionen Euro genehmigt. Davon wurden rund 17,8 Millionen Euro aus dem Interreg VI-Förderprogramm zur Verfügung gestellt. „Aktuell wurde jetzt das Projekt ‚BiCoNet‘ genehmigt. Dabei handelt es sich mit einem Investitionsvolumen von 6,9 Millionen Euro um das bisher größte Interreg-Projekt im aktuellen Interreg-Programm“, erläuterte Ilona Heijen. Der federführende Partner, die Hochschule Osnabrück mit dem Institut für Duale Studiengänge am Campus Lingen, untersucht mit anderen Partnern (u.a. Hanzehogeschool Groningen) wie die Nachhaltigkeitsorientierung von KMU-Geschäftsmodellen durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) verbessert werden kann.

Im Anschluss an ihre Erläuterungen wurde Ilona Heijen als Geschäftsführerin Interreg/EDR vom EDR-Vorsitzenden Matthias Groote verabschiedet. Nach fünf Jahren in diesem Amt wechselt sie im neuen Jahr zum Amt für regionale Landesentwicklung Weser-Ems in Oldenburg.

Es folgte ein Thema, das die EDR-Mitglieder sehr beschäftigt, wie die vielen Rückfragen in der Verbandsversammlung zeigen.

Wouter van Ginkel vom Regionaal Informatie en Expertisecentrum Noord-Nederland (RIEC) und Merel Schippers, Projektleiterin der Initiative “Regionale aanpak ondermijning” zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität, erläuterten „Ondermijning“. Einen passenden deutschen Begriff gibt es dafür bisher nicht. Van Ginkel schlug „Untergrabungskriminalität“ vor. Eine durchaus passende Bezeichnung, denn in diesem Bereich der Kriminalität werden legale gesellschaftliche Strukturen „untergraben“ von illegalen Machenschaften. Das umfasst Teile der organisierten Kriminalität – aber geht noch darüber hinaus. Auch in der nördlichen Grenzregion seien diese Strukturen anzutreffen, so die Expert*innen. Das Netzwerk erstrecke sich über die Grenze hinweg.

Wouter van Ginkel nannte unter anderem die Autobranche, Gastronomie, die Zeitarbeitsbranche und die Immobilienwirtschaft als betroffene Bereiche.

„Es gibt bestimmte Gemeinsamkeiten in diesen Branchen. Sie sind zum Beispiel oft mit der Nutzung von Bargeld verbunden. Zudem finden Arbeiten häufig in einem undurchsichtigen Betätigungsfeld statt, was zu fiktiven Umsätzen und Kunden führen kann. Auffällig ist auch, dass oft Branchen betroffen sind, die keine spezielle Ausbildung erfordern oder keine besondere Genehmigung benötigen.“

Merel Schippers erläuterte im Anschluss die regionalen Gegenmaßnahmen, die in der Provinz Groningen bereits eingeleitet wurden – und auch auf die anderen niederländischen Provinzen und Deutschland ausgeweitet werden sollen.

EDR-Geschäftsführer Karel Groen stellte abschließend den EDR-Wirtschaftsplan für das Jahr 2024  vor. Wichtigste Einnahmen bleiben die Mitgliedsbeiträge. Höchster Kostenpunkt bleiben das Personal. „Das ist angesichts der zahlreichen Dienstleistungen bei der EDR aber auch keine Überraschung. Trotz gestiegener Kosten, vor allem auch in der Wartung und im Betrieb unseres Bürogebäudes, sehen wir uns gut auf das neue Jahr vorbereitet“, betonte Groen.

Aufgrund kurzfristiger krankheitsbedingter Absagen war die EDR-Verbandsversammlung nicht beschlussfähig. Deshalb entfiel der Tagesordnungspunkt „Wahlen der Mitglieder des Verbandsausschusses“. Die Wahlen werden auf einen späteren Zeitpunkt verschoben. Der Termin wird bald bekannt gegeben. Bis dahin bleibt der amtierende Verbandsausschuss (ehemals Vorstand) im Amt.

Im Anschluss an die Verbandsversammlung erfuhren die EDR-Mitglieder in einer Führung mehr über das Institut für Radioastronomie. Dabei gab es auch Einblicke in die Nutzung des beeindruckenden Radioteleskops auf dem ASTRON-Gelände. Das Teleskop wurde 1956 in Betrieb genommen und war damals mit seinem Durchmesser von 25 Metern das größte der Welt.

Im Jahr 1994 sorgte es für Aufsehen, als damit unbekannte Galaxien entdeckt wurden, die später die Namen Dwingeloo 1 und Dwingeloo 2 erhielten.

* Nach einer erforderlichen Satzungsanpassung wurde aus der EDR-Ratssitzung die EDR-Verbandsversammlung. In diesem Zuge ändert sich auch die Bezeichnung des EDR-Vorstands, der ab sofort EDR-Verbandsausschuss heißt.

Inhaltlich haben die Umbenennungen keine Folgen. Lediglich die Bezeichnungen ändern sich. An den Zuständigkeiten der Gremien ändert sich nichts.

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