Auf dem Weg zu einer grenzübergreifenden Gesundheitsregion „sind noch dicke Bretter zu bohren“

Botschafter Ronald van Roeden erfuhr bei seinem Besuch in der EDR-Geschäftsstelle aber auch, dass bereits mehrere Initiativen gestartet wurden, um aus dem Wunsch Wirklichkeit werden zu lassen

Botschafter Ronald van Roeden (links; hier mit Ulf Thiele)

Der niederländische Botschafter zu Gast in der Grenzregion: Ronald van Roeden reiste aus Berlin nach Bad Nieuweschans an, um sich in der Geschäftsstelle der Ems Dollart Region (EDR) über aktuelle Themen der niederländisch-deutschen Zusammenarbeit zu informieren. Besonders im Fokus stand dabei die grenzübergreifende Gesundheitsversorgung. Die stellvertretende EDR-Vorsitzende Cora-Yfke Sikkema betonte in ihrer Begrüßung: „Die Europäische Patientenrichtlinie ermöglicht eine grenzübergreifende Zusammenarbeit von medizinischen Einrichtungen, Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern. Auf dieser Basis sollten wir die Chancen nutzen, die sich uns bieten. Wir sollten noch offensiver auf die rechtlichen Möglichkeiten aufmerksam machen, die sich aus der Patientenrichtlinie ergibt. Denn Behandlungen auf der anderen Seite der Grenze sind unter bestimmten Voraussetzungen bereits jetzt möglich.“


Der Weg zu einer uneingeschränkten grenzübergreifenden Gesundheitsregion sei aber noch weit. Davon konnte auch sowie Professor Dr. Djordje Lazovic berichten. Der frühere Professor der Orthopädie und Unfallchirurgie der Universität Oldenburg blickte aber auch auf eine erfolgreiche Initiative zurück, die den Weg zu einer Gesundheitsregion weiter geebnet hat: Im Rahmen des Interreg V A-Projektes „Common Care“ konnten deutsche Hämophilie-Patienten, die ein neues Hüft- oder Kniegelenk benötigten, im Universitätsklinikum Groningen (UMCG) therapiert werden. „Obwohl das UMCG auf solche Eingriffe spezialisiert ist und zugleich viel schneller zu erreichen war, mussten viele Patienten zuvor weite Wege für eine ähnliche Behandlung Deutschland in Kauf nehmen. Die Krankenkassen hatten Sorge, dass es teurer wird, wenn die Patienten in Groningen versorgt werden“, so Lazovic. „Um die grenzübergreifende Versorgung zu testen, haben wir deshalb bewusst eine sehr kleine Patientengruppe gewählt. Was hier im Einzelfall funktionierte, ist aber auch strukturell geplant.“

An dieser Struktur arbeitet auch das Cross-Border Institute of Healthcare Systems and Prevention (CBI). Das im Februar 2019 gestartete CBI ist eine gemeinsame Initiative der Universität Oldenburg sowie der Rijksuniversiteit Groningen und des Universitätsklinikums Groningen (UMCG). In einem Projekt werden die Strukturen, Unterschiede und Gemeinsamkeiten des niederländischen und deutschen Gesundheitssystems erforscht. „Eines unserer Ziele ist es, voneinander zu lernen. Und dazu müssen wir auch schauen, was bereits gut im Gesundheitssystem der jeweiligen Länder funktioniert“, betonte Professor Dr. Lars Schwettmann, Professor Gesundheitsökonomie der Universität Oldenburg, im Gespräch mit dem Botschafter. Es bleibe nur die Frage, inwieweit auch die jeweiligen Krankenkassen mitmachen. Gitta Connemann bot dazu ihre politische Vermittlung an. Die CDU-Bundestagsabgeordnete und Bundesvorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsunion hatte Ronald van Roeden in die Grenzregion eingeladen. „Für die grenzübergreifende Gesundheitsversorgung brauchen wir auch dringend diese Unterstützung der Politik. Wir haben mit erfolgreichen niederländisch-deutschen Projekten schon Türen geöffnet. Aber es bleiben dicke Bretter, die gebohrt werden müssen. Wenn ein Patient eine Behandlung im Nachbarland wünscht, dann muss das auch möglich sein“, betonte Ilona Heijen, Interreg-Geschäftsführerin der EDR. Auch der Botschafter stimmte zu: „Zumindest für spezialisierte Behandlung sollten Behandlungen im Nachbarland möglich sein.“ Aus seiner Sicht sei es im föderalistischen deutschen System aber schwierig die richtigen Adressaten für Forderungen zu finden: „Für uns bleibt oft die Frage: Redet man mit dem Bund oder mit dem Land?“


Der GrenzInfoPunkt Ems Dollart Region (GIP EDR), der Grenzpendelnde seit vielen Jahren zu den Themen Wohnen, Arbeiten, Unternehmen und Studieren im Nachbarland berät, will sein Beratungsangebot künftig auch auf Gesundheitsthemen ausweiten. Das erläuterte GIP-Koordinatorin Karin Eden gegenüber Ronald van Roeden und den weiteren Gästen. „Unser Ziel ist es, dass unsere Region als Einheit wahrgenommen wird und der Blick 360 Grad weit reicht – und nicht nur bis zur Grenze. Es sollte ganz normal sein, grenzübergreifend zu arbeiten und zu leben. Und dazu gehört auch die Gesundheitsversorgung“, so Eden. Die GIP-Koordinatorin verband mit ihrer Präsentation einen Appell an den Botschafter und die Gäste aus der Politik (neben Gitta Connemann war auch der stellvertretende Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Ulf Thiele, vor Ort): „Die Finanzierung des GrenzInfoPunktes ist stets zeitlich befristet und muss regelmäßig neu beantragt werden. Das erschwert langfristige Planungen und wir würden uns gerne Planungssicherheit wünschen, da der GIP sich zu einer Einrichtung entwickelt hat, die von sehr vielen Menschen genutzt wird.“

Ulf Thiele und Honorarkonsul Dr. Claas Brons
Gitta Connemann und Ronald van Roeden
GIP-Koordinatorin Karin Eden
Dr. Djordje Lazovic
EDR-Geschäftsführer Karel Groen und Dr. Djordje Lazovic
Professor Dr. Lars Schwettmann
Professor Dr. Lars Schwettmann und Ilona Heijen
GIP-Koordinatorin Karin Eden
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