Praktische Lösungsansätze, die wir nutzen sollten

Die Chancen und Herausforderungen eines Praktikums und einer Ausbildung im Nachbarland wurden in Papenburg bei der Veranstaltung „Im Gespräch mit…“ erörtert

Die Studentinnen Nadine van Merode (rechts) und Michelle Hartmans berichteten von ihren Erfahrungen im Praktikum. Foto: EDR

PAPENBURG – „Der Bedarf an Auszubildenden und Fachkräften ist groß. Daher ist ein Austausch zwischen niederländischen und deutschen Studenten, Praktikanten, Arbeitgebern und Unternehmen besonders wichtig. Beispiele aus der Praxis helfen uns, um zu erfahren, wie wir dafür sorgen können, die Möglichkeiten für grenzübergreifende Praktika und Ausbildungen weiter zu verbessern“, sagte Bettina Osewold-Spellbring von der Agentur für Arbeit Papenburg. Die Agentur hatte gemeinsam mit dem GrenzInfoPunkt Ems Dollart Region (GIP EDR) die Veranstaltung „Im Gespräch mit…“ organisiert, die jetzt in Papenburg stattfand.

Die Veranstaltungsreihe widmet sich unterschiedlichen niederländisch-deutschen Arbeitsmarkt-Themen. Dieses Mal stand der Austausch zu Ausbildungs- und Praktikumsplätzen im Blickpunkt. An der Veranstaltung nahmen neben Arbeitsmarkt-Experten, Unternehmern, Vertretern von Schulen, Industrie- und Handelskammer sowie Handwerkskammern auch Studenten teil, die derzeit ein Praktikum im Nachbarland absolvieren.

Gute Erfahrungen mit dem Praktikum
Die Niederländerinnen Nadine van Merode und Michelle Hartmans studieren Medizin und entschieden sich für ein Praktikum in Oldenburg. „Zunächst waren einige bürokratische Hürden zu überwinden – zum Beispiel, in welchem Land wir während des Praktikums krankenversichert sind. Dann stand in den ersten Wochen das Eingewöhnen an die Sprache im Vordergrund. Aber jetzt sind wir voll in die praktische Arbeit eingebunden und sind sehr zufrieden“, berichten die Studentinnen. Bei der Wahl des Praktikumsplatzes habe auch die Zukunftsperspektive eine Rolle gespielt, gibt Michelle Hartmans zu: „In Deutschland ist der Ärztemangel wesentlich größer als in den Niederlanden. Es ist sicherlich für eine eventuelle spätere Tätigkeit in Deutschland von Vorteil, dort bereits praktische Erfahrung gesammelt zu haben.“

Projekt “Arbeitgeberberatung” hilft 
Auch der Landkreis Leer hat mit Bram Gradussen einen Praktikanten aus den Niederlanden. Er absolviert sein Praktikum in der IT-Abteilung des Kreishauses und kann diesen Schritt ebenfalls empfehlen: „Sicherlich gibt es einige Kulturunterschiede in der Arbeitsweise. Und auch fehlende Sprachkenntnisse erschweren ein Praktikum. Aber trotzdem habe ich mich schnell eingearbeitet und habe viel Unterstützung bekommen“, so Gradussen. Der Berufsschüler aus Winschoten war über das Projekt „Arbeitgeberberatung“ als Praktikant vermittelt worden. Das Projekt ist Teil des Dachprojektes „Arbeitsmarkt Nord“, das von der Ems Dollart Region (EDR) organisiert wird. Lead Partner der “Arbeitgeberberatung” ist der Landkreis Leer.

Die Rolle der dualen Ausbildung 
Neben vielen positiven Erfahrungen wurden in Papenburg aber auch Themen angesprochen, die ein Praktikum oder eine Ausbildung im Nachbarland erschweren oder sogar verhindern. Aufklärung über die Chancen, aber auch über die Herausforderungen sei wichtig, waren sich die insgesamt 35 Teilnehmer der Veranstaltung einig. Hermann Schmitz von der Kreishandwerkerschaft Aschendorf-Hümmling wies darauf hin, dass die duale Ausbildung in den Niederlanden einen negativen Ruf habe. Vincent ten Voorde, EURES-Berater in der Agentur für Arbeit, bestätigte, dass sich duale Ausbildung dort eher an schwächere Schüler richte. Daher sei Aufklärung erforderlich, um das Image der dualen Ausbildung zu verbessern und zu verdeutlichen, dass diese Form der Ausbildung in Deutschland Standard sei.

Unsicherheiten abbauen 
Auch Caroline Wille von der Stenden Hogeschool kennt die Verunsicherung von Schülern und Studenten, die darüber nachdenken, in das Nachbarland zu gehen: „Diese Unsicherheit betrifft mehrere Bereiche. Es werden oft Fragen gestellt, ob die Abschlüsse auf der anderen Seite der Grenze anerkannt werden oder welche Berufschancen es mit einer Ausbildung im Nachbarland überhaupt gibt. Die Studenten und auch deren Eltern müssen daher an die Hand genommen werden, um Unsicherheiten abzubauen.“ Daher werden im Projekt „PraktiTrans“ regelmäßig so genannte Job-Busse organisiert, mit denen Schüler und Studenten Unternehmen im Nachbarland besuchen. „PraktiTrans“ ist ebenfalls Teil des Dachprojektes „Arbeitsmarkt Nord“. „Durch den Besuch in den Unternehmen und den direkten Kontakt werden viele Zweifel abgebaut“, bestätigt Jule Tirrel von der Wachstumsregion Ems-Achse, von der als Lead Partner die Busse organisiert werden.

“Praktische Lösungsansätze, die wir nutzen sollten“ 
„Die Veranstaltung in Papenburg hat uns erneut gezeigt, dass es auch in den Unternehmen großes Interesse an Auszubildenden und Praktikanten aus dem Nachbarland gibt. Es muss weiterhin ein Umdenken stattfinden, um uns den Herausforderungen zu stellen, die ein grenzübergreifender Ausbildungs- und Arbeitsmarkt mit sich bringt. Aber es gibt praktische Lösungsansätze, die wir nutzen sollten“, lautete das Fazit von Michiel Malewicz, Projektmanager des Dachprojektes „Arbeitsmarkt Nord“ und Berater des GIP EDR. „Auch in Papenburg wurde wieder deutlich, dass es nicht darum geht, sich gegenseitig Fachkräfte abzuwerben, sondern Schülern und Studenten die Möglichkeit zu geben, Arbeitserfahrung im Nachbarland zu sammeln. Und das kommt allen Beteiligten in der Region zugute“, so Malewicz.

Die Veranstaltungsreihe „Im Gespräch mit…“ wird im Rahmen des Dachprojektes „Arbeitsmarkt Nord“ organisiert. Federführend beim „Arbeitsmarkt Nord“ ist die Ems Dollart Region (EDR) in Bad Nieuweschans. Das Projekt wird im Rahmen des INTERREG V A-Programms Deutschland-Nederland mit Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) gefördert. Kofinanzierer sind das niederländische Ministerie van Economische Zaken en Klimaat, das Niedersächsische Ministerium für Bundes- und Europaangelegenheiten und Regionale Entwicklung sowie die Provinzen Groningen, Drenthe und Fryslân.